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Saargold MagazinBelgische Schäferhunde, Hundesport und Hundeleben im Südwesten

Papiere und Ausstellung

Ergebnisse und Kürzel lesen: das Verzeichnis

Wer eine Bewertungskarte, eine Ahnentafel und einen Röntgenbefund nebeneinander legt, hält drei Dokumente in drei Geheimsprachen in der Hand. Dieses Verzeichnis übersetzt sie, Eintrag für Eintrag, mit Quelle und Stand.

Leere Bewertungskarte mit vorgedruckten Notenfeldern auf einem Klemmbrett neben einer Startnummernschleife im Hallenlicht

Drei Dokumente begleiten einen Hund durch sein Leben, und jedes davon spricht seine eigene Kurzschrift. Die Bewertungskarte einer Ausstellung trägt Formwertnoten und Anwartschaften. Das Leistungsheft trägt Prüfungskürzel aus den Prüfungsordnungen der Sportverbände. Die Ahnentafel und der Gelenkbefund tragen Nummern und Skalen. Dieses Verzeichnis löst die drei Familien getrennt auf, nennt zu jeder Gruppe das Regelwerk, aus dem sie stammt, und den Stand, also den Tag, an dem wir dort zuletzt nachgelesen haben.

Warum steht auf jedem Papier eine andere Kurzschrift?

Weil jedes Papier von einer anderen Stelle ausgestellt wird und jede Stelle ihr eigenes Regelwerk hat. Die Formwertnoten stammen aus der Ausstellungsordnung, die Prüfungskürzel aus der jeweiligen Prüfungsordnung, Buchstabe und Ziffer eines Gelenkbefundes aus einem Auswertungsschema, und die Nummern aus einem Zuchtbuch. Wer ein unbekanntes Kürzel vor sich hat, sucht deshalb zuerst das Dokument und erst danach die Bedeutung: dieselbe Buchstabenfolge kann in zwei Ordnungen zwei verschiedene Dinge heißen.

Eine Bewertungskarte in vier Schritten lesen

  • Zuerst die Klasse. Sie steht meist oben und entscheidet, mit welchen Hunden verglichen wurde. Eine Note aus der Jugendklasse und eine aus der Championklasse sind nicht dasselbe Ergebnis.
  • Dann die Formwertnote. Sie bewertet den Hund gegen den Rassestandard, nicht gegen die anderen Hunde im Ring.
  • Dann die Platzierung. Die Ziffer hinter der Note, etwa in der Schreibweise V1, ordnet den Hund innerhalb seiner Klasse ein. Sie vergleicht also doch, aber erst im zweiten Schritt.
  • Zuletzt die Anwartschaft. Sie ist ein Zusatz, kein Titel, und sie wird nicht auf jeder Veranstaltung und nicht in jeder Klasse vergeben.

Was bedeuten vorzüglich, sehr gut und genügend auf einer Hundeausstellung?

Die Skala ist geordnet und endet nicht bei der schlechtesten Note, sondern bei der Disqualifikation. Sie gilt für die Klassen, in denen ein Hund ausgewertet wird, während die Klassen der ganz jungen Hunde eine eigene, dreistufige Skala haben. Die Reihenfolge ist wichtiger als der Wortlaut: wer sie kennt, liest jede Karte, auch eine handschriftlich ausgefüllte.

Die Formwertskala in ihrer Reihenfolge

Vorzüglich vor Sehr gut vor Gut vor Genügend, dazu die Disqualifikation als fünfte Stufe. Daneben steht die Vermerkmöglichkeit ohne Bewertung, die keine Note ist, sondern festhält, dass eine Beurteilung nicht möglich war.

Quelle: Ausstellungsordnung des Verbandes für das Deutsche Hundewesen. Stand: 02.09.2026.

Familie 1, Ausstellung: Noten und Vermerke. Quelle: Ausstellungsordnung des VDH. Stand 02.09.2026
KürzelLangformWas es bedeutet
VVorzüglichHöchste Note, für einen Hund, der dem Idealbild des Standards sehr nahe kommt
SGSehr gutEin typischer Vertreter seiner Rasse, mit erkennbaren, aber begrenzten Abweichungen
GGutDie Hauptmerkmale der Rasse sind vorhanden, die Abweichungen sind deutlicher
GgdGenügendDer Hund entspricht dem Rassetyp gerade noch
disqDisqualifiziertDer Hund entspricht dem Standard nicht oder zeigt ein Verhalten, das eine Bewertung ausschließt
o. B.Ohne BewertungKeine Note: eine Beurteilung war an diesem Tag nicht möglich
VVVielversprechendBeste Stufe der Skala für die ganz jungen Klassen, kein Formwert im eigentlichen Sinn
VspVersprechendMittlere Stufe derselben Skala für junge Hunde
WVWenig versprechendUnterste Stufe derselben Skala

Was ist eine Anwartschaft und was ein Titel?

Eine Anwartschaft ist eine Kandidatur, kein Titel. Der Richter vergibt sie an einem einzelnen Tag an einen einzelnen Hund, und erst eine bestimmte Zahl solcher Anwartschaften, unter bestimmten Bedingungen erworben, ergibt später den Titel. Das ist der häufigste Lesefehler auf einer Bewertungskarte: ein Hund mit einer Anwartschaft ist kein Champion, er hat einen Baustein.

Familie 1, Ausstellung: Anwartschaften und Tagesplatzierungen. Quelle: Ausstellungsordnung des VDH, Ausstellungsregeln der FCI. Stand 02.09.2026
KürzelLangformWas es bedeutet
CACCertificat d'Aptitude au ChampionnatNationale Anwartschaft auf einen Championtitel, an einem Tag von einem Richter vergeben
Res.-CACReserve-CACNachrückende Anwartschaft, die unter bestimmten Bedingungen zur Anwartschaft wird
CACIBCertificat d'Aptitude au Championnat International de BeautéInternationale Anwartschaft, nur auf internationalen Ausstellungen vergeben
Res.-CACIBReserve-CACIBNachrückende internationale Anwartschaft
BOBBest of BreedBester Hund seiner Rasse an diesem Tag, aus allen bewerteten Klassen
BOSBest of Opposite SexBester Hund des jeweils anderen Geschlechts an diesem Tag

Für den deutschen Championtitel des Dachverbandes verlangt die Ausstellungsordnung fünf Anwartschaften, davon mindestens drei auf internationalen oder nationalen Ausstellungen, erworben bei mindestens drei verschiedenen Rassespezialrichtern und jeweils mit der Note Vorzüglich. Für den internationalen Titel setzt die FCI eine Mindestzahl von CACIB aus mehreren Ländern und von mehreren Richtern voraus; die genaue Zahl und die Fristen stehen in ihren Ausstellungsregeln, und wir haben sie an diesem Stand nicht Ziffer für Ziffer nachgeprüft. Wie wir mit einer solchen Lücke umgehen, steht in den redaktionellen Grundsätzen.

Welche Klasse gilt für welches Alter?

Die Klasse entscheidet, gegen welches Feld ein Hund gestellt wird, und sie hängt am Alter am Tag der Veranstaltung, nicht am Geburtsjahr. Zwei Klassen überschneiden sich bewusst, sodass für einen Hund zwischen fünfzehn und achtzehn Monaten mehrere Meldungen möglich sind.

Familie 1, Ausstellung: Klassen und Alter. Quelle: Ausstellungsordnung des VDH. Stand 02.09.2026
KlasseAlterBesonderheit
Babyklassevier bis sechs MonateNur auf bestimmten Veranstaltungen, dreistufige Skala
Jüngstenklassesechs bis neun MonateDreistufige Skala, keine Anwartschaft
Jugendklasseneun bis achtzehn MonateErste Klasse mit Formwertnoten
Zwischenklassefünfzehn bis vierundzwanzig MonateFür den Übergang zwischen Jugend und Erwachsenenfeld
Offene Klasseab fünfzehn MonatenOhne weitere Voraussetzung offen
Gebrauchshundklasseab fünfzehn MonatenSetzt einen Leistungsnachweis voraus, nicht für jede Rasse vorgesehen
Championklasseab fünfzehn MonatenNur mit bereits erworbenem Championtitel
Veteranenklasseab acht JahrenEigene Wertung für alte Hunde

Was bedeuten die Prüfungskürzel im Hundesport?

Die zweite Familie steht im Leistungsheft und nicht auf der Bewertungskarte. Sie folgt nicht dem Rassestandard, sondern einer Prüfungsordnung, und sie sagt etwas über eine bestandene Aufgabe aus, nicht über das Aussehen. Fast alle geregelten Formate setzen dieselbe Eintrittsprüfung voraus, und danach verzweigen sie sich in Sparten.

Familie 2, Prüfung: die gebräuchlichsten Kürzel. Quellen: Internationale Gebrauchshunde Prüfungsordnung der FCI, Prüfungsordnung Agility des VDH, Internationale Prüfungsordnung für Rettungshunde von IRO und FCI. Stand 02.09.2026
KürzelLangformWas es bedeutet
BH-VTBegleithundeprüfung mit VerhaltenstestEintrittsprüfung in fast jeden geregelten Hundesport, mit Sachkundeteil, Gehorsam auf dem Platz und Verkehrsteil
IGP 1 bis 3Internationale Gebrauchshundeprüfung, Stufen eins bis dreiAufsteigende Stufen der Gebrauchshundprüfung mit drei Abteilungen
Abteilung AFährtenarbeitErste Abteilung der IGP: Nasenarbeit auf einer gelegten Fährte
Abteilung BUnterordnungZweite Abteilung: Gehorsam und Bewegungsübungen auf dem Platz
Abteilung CSchutzdienstDritte Abteilung, streng geregelt und nur im Verbandsrahmen prüfbar
SchHSchutzhundprüfungHistorische Bezeichnung derselben Prüfungslinie, auf älteren Papieren
VPGVielseitigkeitsprüfung für GebrauchshundeZwischenzeitliche deutsche Bezeichnung, ebenfalls historisch
A0 bis A3Agility, Klassen null bis dreiAufsteigende Klassen im Agility, der Aufstieg hängt an fehlerfreien Läufen
JPJumpingAgility-Lauf ohne Kontaktzonengeräte, mit eigener Klassenzählung
RHRettungshundVorsilbe der Rettungshundeprüfungen, ergänzt um Sparte und Stufe

Warum heißt dieselbe Prüfung SchH, VPG und IGP?

Weil sie zweimal umbenannt wurde. Auf einem alten Leistungsheft steht deshalb ein Kürzel, das es heute nicht mehr gibt, obwohl der Hund eine Prüfung derselben Linie abgelegt hat. Seit dem 1. Januar 2019 gilt für Gebrauchshundeprüfungen die Internationale Gebrauchshundeprüfungsordnung der FCI, kurz IGP; davor waren nacheinander die Bezeichnungen SchH und VPG gebräuchlich. Die Jahreszahl des früheren Wechsels geben wir hier nicht an, weil wir sie an diesem Stand nicht in einer Ordnung nachgelesen haben. Die Stufenfolge selbst ordnet von der BH-VT zur IGP.

Wie steigt man im Agility eine Klasse auf?

Über fehlerfreie und platzierte Läufe, nicht über eine Anzahl Starts. Die Prüfungsordnung Agility des VDH bindet den Aufstieg von der Klasse A1 nach A2 an drei platzierte fehlerfreie Läufe unter zwei verschiedenen Richtern und den Aufstieg von A2 nach A3 an fünf solcher Läufe. Ein freiwilliger Rücktritt in die darunterliegende Klasse ist jederzeit möglich. Was der Sport für die Gelenke bedeutet, steht in Agility mit dem Belgier.

Was steht auf einem Gesundheitsbefund?

Ein Buchstabe für die Hüfte, eine Ziffer für den Ellenbogen, und beide beziehen sich auf eine Röntgenaufnahme, die nach einem festen Schema ausgewertet wurde. Beide Skalen sind geordnet, beide bewerten ein Bild zu einem Zeitpunkt, und keine von beiden ist eine Vorhersage. Die dritte Familie ist deshalb die, die am häufigsten überinterpretiert wird.

Familie 3, Papiere und Gesundheit: Skalen und Nummern. Quellen: Auswertungsschema für Hüft- und Ellenbogengelenke von FCI und VDH, Zuchtordnung des VDH, Livre des Origines Saint-Hubert. Stand 02.09.2026
KürzelLangformWas es bedeutet
HD-AKein Hinweis auf HüftgelenkdysplasieErste von fünf Stufen der Hüftskala
HD-BÜbergangsformZweite Stufe: das Bild liegt zwischen unauffällig und leicht verändert
HD-CLeichte HüftgelenkdysplasieDritte Stufe
HD-DMittlere HüftgelenkdysplasieVierte Stufe
HD-ESchwere HüftgelenkdysplasieFünfte und letzte Stufe
ED-0 bis ED-3Ellenbogendysplasie, Grad null bis dreiVierstufige Skala vom unauffälligen Gelenk bis zur schweren Veränderung
ZB-Nr.ZuchtbuchnummerEintragungsnummer eines Hundes im Zuchtbuch des zuständigen Vereins
LOSHLivre des Origines Saint-HubertBelgisches Zuchtbuch, geführt von der Société Royale Saint-Hubert im Ursprungsland der Rasse

Was die Buchstaben und Ziffern über einen einzelnen Hund aussagen und was nicht, behandelt HD und ED verstehen ausführlich. Kein Befund und keine Skala ersetzt die Einschätzung einer tierärztlichen Praxis.

Was sagen die Nummern auf einem Papier?

Eine Zuchtbuchnummer identifiziert nicht nur den Hund, sondern auch das Buch, das ihn eingetragen hat. Sie besteht deshalb aus einem Kennzeichen der eintragenden Stelle und einer laufenden Nummer, und schon daran ist ablesbar, in welchem Land und in welchem Verbandsrahmen ein Hund registriert wurde. Wie ein solches Formular aufgebaut ist, zeigt die Ahnentafel lesen; wer die Nummern vergibt, steht in der Übersicht der Verbände und Vereine.

Welche Kürzel zählen für die Zucht?

Nicht dieselben, die auf einer Bewertungskarte am meisten glänzen. Welche Noten, Prüfungen und Befunde eine Zuchtzulassung verlangt, legt die Zuchtordnung des zuständigen Vereins fest, und sie tut das unterschiedlich. Deshalb steht in diesem Verzeichnis, was ein Kürzel bedeutet, und in Zuchtzulassung und Körung, in welchem Verfahren es gebraucht wird.

Wie dieses Verzeichnis gepflegt wird

Jede Gruppe trägt in ihrer Beschriftung die Quelle und den Stand, also das Datum, an dem wir im Regelwerk nachgelesen haben. Ändert sich eine Ordnung, ändert sich der Eintrag und der Stand wird neu gesetzt. Ein Eintrag, den niemand nachgeprüft hat, behält seinen alten Stand und wird nicht stillschweigend aktualisiert: ein altes Datum ist eine Auskunft, eine unterschobene Zahl wäre eine Behauptung. Wortlaut aus den Ordnungen geben wir dabei nicht wieder, sondern erklären ihn in eigenen Worten, weil Ausstellungs-, Prüfungs- und Zuchtordnungen urheberrechtlich geschützt sind.

Zwei Lücken benennen wir offen. Die Fristen und Mindestzahlen der internationalen Titel sind hier nicht Ziffer für Ziffer geprüft, und die Sprunghöhen im Agility sind nach Größenklassen gestaffelt, ohne dass wir die Zentimeterwerte an diesem Stand nachgelesen hätten. Beides steht in den genannten Ordnungen und wird hier nachgetragen, sobald es geprüft ist. Wer wissen will, welche Kürzel im Rassestandard selbst auftauchen, findet den Rahmen im Vergleich die vier Varietäten.