Rasse und Herkunft
Groenendael, Tervueren, Malinois, Laekenois: der Vergleich
Ein Standard, vier Varietäten, und vier Alltage, die weniger gemeinsam haben, als der gemeinsame Rassename verspricht. Dieser Vergleich stellt sie Spalte für Spalte nebeneinander.
Vier Namen, ein Standard: Groenendael, Tervueren, Malinois und Laekenois sind keine vier Rassen, sondern vier Varietäten desselben Belgischen Schäferhundes. Die FCI führt ihn unter der Standardnummer 15 in Gruppe 1, Sektion 1, und sie trennt die vier ausschließlich nach Haarkleid und Farbe. Alles Übrige, vom Körperbau bis zur beschriebenen Wesensanlage, gilt für alle vier gemeinsam. Trotzdem entscheidet genau diese eine Unterscheidung fast alles, was im Alltag spürbar wird: den Pflegeaufwand, die Wahrscheinlichkeit, überhaupt einen Hund dieser Varietät zu sehen, und die Erwartungen, mit denen Fremde auf der Straße reagieren.
Sind das vier Rassen oder eine?
Es ist eine Rasse. Der Rassestandard der FCI beschreibt den Belgischen Schäferhund als eine Rasse mit vier Varietäten, und die Trennlinie verläuft über Haarlänge, Haarstruktur und Farbe, nicht über Körperbau oder Verwendung. Auf einer Ahnentafel steht deshalb eine einzige Rassebezeichnung und dazu die Varietät, nicht einer von vier verschiedenen Rassenamen. Wer das einmal verstanden hat, liest Papiere, Ausstellungskataloge und Zuchtbuchnummern deutlich leichter.
Woher kommen die vier Namen?
Alle vier sind belgische Ortsnamen: Groenendael, Tervuren, Mechelen, das auf Französisch Malines heißt, und Laken, französisch Laeken. Sie erinnern an die Orte, an denen die jeweiligen Schläge früh gezüchtet und beschrieben wurden. Die Herleitung steht im Vorspann des FCI-Standards; wir geben sie in eigenen Worten wieder und schreiben den Standard nicht ab, weil sein Text geschützt ist.
Welche Varietät hat welches Haarkleid?
Zwei Varietäten tragen langes Deckhaar, eine kurzes und eine rauhes. Die Farbe kommt als zweites Merkmal hinzu und macht die beiden langhaarigen unterscheidbar. Diese Tabelle fasst zusammen, was der Standard als Merkmal der Varietät führt, und daneben, was davon im Alltag zuerst auffällt.
| Varietät | Haarkleid | Farbe als Merkmal | Was zuerst auffällt |
|---|---|---|---|
| Groenendael | lang, glatt anliegend, dichte Unterwolle | durchgehend schwarz | die geschlossene schwarze Silhouette mit Halskrause |
| Tervueren | lang, glatt anliegend, dichte Unterwolle | falbfarben mit dunkel überhauchten Haarspitzen, dunkle Maske | der Kohleanflug im Fell und die klar abgesetzte Maske |
| Malinois | kurz, dicht, mit kurzer Unterwolle | falbfarben mit dunkel überhauchten Haarspitzen, dunkle Maske | die sichtbare Muskulatur, weil kein langes Haar sie verdeckt |
| Laekenois | rau, trocken, ungeordnet wirkend, mit Bart | falbfarben | das struppige, nie glatt liegende Haar im Gesicht |
Wichtig ist die Reihenfolge der Merkmale. Zuerst die Haarlänge, dann die Struktur, erst danach die Farbe: wer mit der Farbe anfängt, verwechselt bei schlechtem Licht regelmäßig die beiden langhaarigen Varietäten.
Welche ist die pflegeleichteste?
Keine, und die Frage führt in die Irre, weil Pflege bei dieser Rasse zwei verschiedene Dinge bedeutet. Die langhaarigen Varietäten brauchen regelmäßiges Durchbürsten, besonders hinter den Ohren, an der Halskrause und an den Hosen, sonst verfilzen genau diese Stellen. Das kurze Haar des Malinois braucht wenig Bürste, verteilt aber im Haarwechsel ebenso zuverlässig Unterwolle in der Wohnung. Und das rauhe Haar des Laekenois soll nach dem Standard gerade nicht glatt und ordentlich aussehen, weshalb ein Trimmen zur vermeintlichen Sauberkeit genau das Merkmal beschädigt, das die Varietät ausmacht.
In vier Schritten bestimmen
- Haarlänge zuerst. Lang, kurz oder rau: diese eine Frage teilt das Feld bereits in drei Gruppen.
- Struktur prüfen. Liegt langes Haar glatt an, oder wirkt es trocken und ungeordnet? Rauhaar ist kein ungepflegtes Langhaar.
- Dann die Farbe. Durchgehend schwarz oder falbfarben mit dunklen Haarspitzen? Erst hier trennen sich Groenendael und Tervueren.
- Zuletzt die Maske. Bei den falbfarbenen Varietäten setzt sich das dunkle Gesichtsfeld sichtbar ab. Bei einem schwarzen Hund lässt sich daran nichts ablesen.
Welche Varietät sieht man in Deutschland am häufigsten?
Im Alltag begegnen die meisten Menschen dem Malinois und dem Tervueren, der Groenendael ist seltener, der Laekenois bleibt eine Ausnahme. Eine Zahl steht hier bewusst nicht: eine frei zugängliche Statistik der gehaltenen Hunde je Varietät liegt uns nicht vor, und ein geschätzter Prozentsatz wäre eine erfundene Genauigkeit. Wer belastbare Zahlen sucht, findet sie am ehesten in den Zuchtbuchstatistiken der zuständigen Organisationen, die in der Übersicht der Verbände und Vereine stehen.
Werden Varietäten untereinander verpaart?
Ob eine Verpaarung über die Varietätsgrenze hinweg zulässig ist und welcher Varietät die Nachzucht dann zugeordnet wird, entscheidet nicht der Standard, sondern die Zuchtordnung der zuständigen Organisation. Diese Regeln sind unterschiedlich und sie haben sich im Lauf der Zeit geändert, weshalb die Antwort immer aus der gültigen Ordnung kommen muss und nie aus einem Forumsbeitrag. Wie ein solches Verfahren überhaupt abläuft, beschreibt Zuchtzulassung und Körung.
Welche Varietäten werden am häufigsten verwechselt?
Drei Verwechslungen kommen immer wieder vor. Tervueren und Groenendael auf Distanz, weil beide langhaarig sind und die Farbe in der Dämmerung verschwindet. Malinois und Deutscher Schäferhund, weil kurzes falbfarbenes Haar mit dunkler Maske ein gemeinsames Bild ergibt, obwohl Rückenlinie und Gesamteindruck deutlich verschieden sind. Und der Laekenois mit einem rauhaarigen Mischling, weil ihn schlicht kaum jemand je gesehen hat.
Die Rasse in einer Zeile
Belgischer Schäferhund, FCI-Standard Nummer 15, Gruppe 1, Sektion 1, Ursprungsland Belgien, 4 Varietäten, getrennt nach Haarkleid und Farbe.
Quelle: Rassestandard der FCI. Maße und Gewichte aus dem Standard nennt diese Seite nicht: dafür muss die gültige Fassung Zahl für Zahl geprüft sein, und dieser Stand gehört ins Verzeichnis, nicht in den Fließtext.
Was folgt daraus für die Wahl?
Der Varietätsname beantwortet weniger Fragen, als der Wunsch nach einer klaren Entscheidung erhoffen lässt. Er sagt Ihnen zuverlässig etwas über das Haarkleid und damit über die Bürste, die Sie kaufen werden. Er sagt Ihnen wenig über den einzelnen Hund, weil innerhalb jeder Varietät die Ausrichtung der Linie und die Aufzucht mehr bestimmen als das Etikett auf dem Papier. Deshalb steht in diesem Magazin die Arbeit vor dem Katalog, und deshalb ist keine der vier die bessere Varietät.
Wer weiterliest, findet die Porträts der einzelnen Varietäten, die Bildstrecke zu Farben und Haarkleid und im Verzeichnis die Auflösung der Kürzel, die auf jeder Bewertungskarte und jeder Ahnentafel wieder auftauchen.